» Das Thema UUX lässt sich durch Angebotsvielfalt bei den Softwareanbietern lösen. Das Produkt mit der besten UUX setzt sich auf lange Sicht durch. «

Alexander Handschuh

Interview mit Alexander Handschuh

Veröffentlicht: Januar 2022

Welche Schwerpunkte setzt die Digitalisierungsstrategie des Deutschen Städte- und Gemeindebundes aktuell in den Themenfeldern Gebrauchstauglichkeit und Barrierefreiheit?

Die interne Strategie ist, Usability und Barrierefreiheit vorzuleben und umsetzen – auch mit Blick auf die Mitarbeiter*innen. Wir versuchen, die verschiedenen Kompetenzbereiche unserer Mitarbeiter*innen zu berücksichtigen. Ein Fokus ist dabei natürlich auch die Website, die eine Vorbildfunktion hat. In der Außenwirkung propagieren wir die Benutzer*innenorientierung.
In den Kommunen lassen sich Problemlagen identifizieren – diese können dann auf Bundesebene kommuniziert werden. Insgesamt ist Barrierefreiheit langsam etwas mehr auf dem Radar. Mittlerweile drohen teilweise auch Sanktionen, wobei das im Moment von Bundesländern abhängig ist. Aber das Thema erfährt langsam eine zivilgesellschaftliche Aufmerksamkeit, und in vielen Kommunen ist das Problembewusstsein schon recht ausgeprägt.
Auf der kommunalen Ebene gibt es starke Unterschiede – wir haben aber ja auch 11.000 Kommunen. Und diese sind meistens eher Produktnutzer*innen, also abhängig von anderen. Sie haben keine Wahl, sie müssen einfach implementieren. Es ist aber ein großer Fortschritt, dass es jetzt mit dem OZG einen Standard gibt. Sicherlich ist aber ein Problem, dass die Mitarbeiter*innen bei der Menschzentrierung ein wenig vergessen werden – dabei sind sie doch die häufigsten Benutzer*innen! Für kleine Gemeinden ist es aber schon eine große Herausforderung, plötzlich 575 Online-Leistungen anbieten zu müssen. Da müssen wir vielleicht aus der Privatwirtschaft lernen. Wir haben manchmal noch die Denkweise des Preußischen Verwaltungsschemas: Wir geben etwas vor, und die anderen – also Unternehmen und Bürger*innen – müssen sich schon danach richten. Dabei müsste man das gedanklich drehen. Wir müssten von einer antragsorientierten Verwaltung zu einer angebotsorientierten Verwaltung werden.
Das Thema UUX lässt sich durch Angebotsvielfalt bei den Softwareanbietern lösen. Das Produkt mit der besten UUX setzt sich auf lange Sicht durch. Die Standardisierung könnte auch eine Lösung sein. Ich bin aber nicht überzeugt davon, dass irgendwelche Verordnungen und Servicestandards helfen. Innovation lässt sich nicht über Gesetze erzeugen!
Die Verwaltung ist die Arbeit mit Termin und Stichtag gewohnt, dementsprechend hat der OZG-Stichtag zur Bewegung geführt. Die Angst vor drohenden Gesetzen erzeugt einen Handlungsdruck. Zur Barrierefreiheit ließe sich noch ergänzen, dass die Ansprüche ambitioniert, aber natürlich nicht unmöglich sind. Aber man muss hier vorsichtig vorgehen und nicht zu streng werden, sonst müssten Kommunen im worst case noch ihre Websites offline schalten. Es gibt mehrere Rechtsgüter, die gegeneinander abgewogen werden müssen: Barrierefreiheit, das Informationsbedürfnis, und viele weitere.
Alexander Handschuh

Alexander Handschuh

Sprecher Politische Grundsatzfragen und Grundsatzfragen Digitalisierung
Deutscher Städte- und Gemeindebund e.V.

Alexander Handschuh, Politikwissenschaftler, ist seit 2006 für den Deutschen Städte- und Gemeindebund tätig. Seit 2015 führt er das Referat für Planung, Politik, Koordination und Kooperationen beim DStGB. Seit 2018 ist er als Sprecher unter anderem für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, für politische Grundsatzfragen und Grundsatzfragen der Digitalisierung verantwortlich.
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