» Es sollten Investitionen getätigt werden, um die Onlineverfahren mit den Fachverfahren und Prozessen in den Behörden zu verbinden. «

Dr. Horst Baier

Sieben Fragen zu menschzentrierter Digitalisierung an Dr. Horst Baier

Veröffentlicht: Januar 2022

Anhand welcher Aktivitäten wird besonders gut deutlich, dass die Menschzentrierung von digitalen Services in Ihrem Bundesland immer wichtiger wird?

Im Rahmen unseres Programmes Digitale Verwaltung Niedersachsen wurde ein spezielles Projekt, namens Attraktive Onlinedienste eingerichtet, um bei der Entwicklung von digitalen Lösungen die Benutzer*innenfreundlichkeit und die Zugangsmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigungen frühzeitig zu berücksichtigen.

Welche Voraussetzungen sind in den öffentlichen Verwaltungen erforderlich, damit die Bedürfnisse der Bürger*innen und der Verwaltungsmitarbeiter*innen bei der Entwicklung von digitalen Services noch besser berücksichtigt werden können?

Über geeignete Beteiligungsformate müssen die unterschiedlichen Benutzer*innengruppen zu ihren Erfahrungen und Wünschen in Bezug auf digitale Services befragt werden. Dies kann beispielsweise in Digitallaboren oder im Rahmen von Townhall-Meetings in den Kommunen im Rahmen der Einführung von neuen Onlinediensten erfolgen.

In welchen Bereichen und Themenfeldern ist eine menschzentrierte digitale Transformation im öffentlichen Sektor aktuell noch nicht in der Form möglich wie Sie sich das wünschen würden?

Die verschiedenen Rechtsgebiete, die damit festgelegten Rahmenbedingungen und die verwendeten sprachlichen Begriffe sind für eine formal korrekte Konstruktion von digitalen Services notwendig. In der Praxis stoßen diese Maßnahmen auf geringe Akzeptanz – und das Verständnis von Inhalten und Prozessschritten wird derzeit noch als mangelhaft bewertet.

In welche Themenfelder sollten die Kommunen die 3 Milliarden für die Digitalisierung aus Ihrer Sicht vorrangig investieren?

Die Mittel sollten primär in die Funktionsfähigkeit der technischen Infrastruktur in Deutschland und die flächendeckende Verfügbarkeit von Onlinediensten investiert werden. Es sollten Investitionen getätigt werden, um die Onlineverfahren mit den Fachverfahren und Prozessen in den Behörden zu verbinden.

Wie verändern sich durch den Wechsel von vor Ort installierten Softwarelösungen zu Clouddienstleistungen die Anforderungen an das Themenfeld Usability, User Experience und Barrierefreiheit?

Wir erwarten allein durch den Wechsel von vor Ort installierter Software zu Cloud-Lösungen keine gravierende Veränderung der Anforderungen in diesem Themenfeld: Usability, User Experience und Barrierefreiheit sind für vor Ort installierte Softwarelösungen ebenfalls eine bedeutende Anforderung.

Was sind - Stand heute - in den öffentlichen Verwaltungen Ihres Bundeslandes die wichtigsten Einsatzbereiche für UUX Expert*innen?

Der wichtigste Einsatzbereich für UUX Expert*innen stellt bei uns derzeit die Entwicklung von Onlineantragsverfahren dar.

Was ist Ihre persönliche Vision für die Öffentliche Verwaltung 2030?

Meine Vision ist, dass alle Leistungen der öffentlichen Verwaltung 2030 über das Smartphone abrufbar werden.
Dr. Horst Baier

Dr. Horst Baier

CIO und IT-Bevollmächtigter der Landesregierung
Land Niedersachsen

Dr. Horst Baier ist seit März 2020 CIO des Landes Niedersachsen. Vorher war er 8 Jahre Bürgermeister in der Samtgemeinde Bersenbrück. Nach dem Studium als Volkswirt war er Controller in einer Versicherung und in verschiedenen Positionen in den Städten Braunschweig, Salzgitter und Osnabrück tätig.
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