» Kommunen müssen ihre IT-Budgets aufstocken, um diesen neuen Anforderungen gerecht werden zu können. «

Martin Brenner

Interview mit Martin Brenner

Veröffentlicht: Januar 2022

Wie ist es der Stadt Burgau in der Praxis gelungen, den Bürger*innen ein barrierefreies Informationsportal im Web zu bieten?

Wir haben in Burgau vor ungefähr zwei Jahren erkannt, dass wir mehr in die digitalen Services unserer Kommune investieren müssen. Und so kam dann eines zum anderen: Wir haben zunächst das IT-Budget aufgestockt, dann einen weiteren IT-Beauftragten eingestellt und konnten uns so schließlich in Bezug auf unsere digitalen Services ganz neu aufstellen. Eine kleinere Kommune mit knapp mehr als 10.000 Einwohnern und Einwohnerinnen hat an dieser Stelle natürlich etwas andere Rahmenbedingungen als eine Großstadt. Aber dennoch gelten für uns die gleichen gesetzlichen Anforderungen: Auch der Webauftritt der Stadt Burgau muss barrierefrei, verständlich und informativ gestaltet werden.
Sensibilisiert wurden wir in Burgau für das Thema Digitale Barrierefreiheit damals tatsächlich erst durch diese Neueinstellung im IT-Bereich. Rückblickend betrachtet, war das ein großer Glücksgriff: Unser Kollege hat uns hier auf Grundlage seiner Expertise die notwendigen Schritte detailliert aufgezeigt. Gemeinsam mit einem Dienstleister konnten wir inzwischen schon viele Aspekte umsetzen – auch wenn ich ehrlich zugeben muss, dass wir noch nicht alle Herausforderungen abschließend gelöst haben. Die Bereitstellung von barrierefreien PDF-Dokumenten ist beispielsweise eine Anforderung, die uns im Moment besonders stark umtreibt. Digitale Barrierefreiheit ist für Kommunen eine große Aufgabe mit vielen Facetten und Möglichkeiten. Gerade erst haben wir beispielsweise gemeinsam mit unserem Dienstleister unser erstes Video mit Gebärdensprache online gestellt.
Kommunen müssen ihre IT-Budgets aufstocken, um diesen neuen Anforderungen gerecht werden zu können. Ein Umstand erschwert die Sensibilisierung für das Thema – gerade in kleineren Kommunen: Digitale Barrierefreiheit ist weitestgehend unsichtbar. Im Gegensatz zu unseren barrierefreien Bushaltestellen wird digitale Barrierefreiheit im Stadtbild nicht sichtbar. Im Moment ist unsere primäre Motivation für weitere Aktivitäten in diesem Themenfeld daher unsere gesetzliche, ethische und moralische Verpflichtung. Unsere Bürgerinnen und Bürger fordern digitale Barrierefreiheit bisher weder aktiv ein, noch geben sie uns diesbezüglich positives Feedback. Daher planen wir gerade, in unserer Kommunikation dieses Thema zukünftig noch stärker in den Fokus zu stellen.
Eine breite Unterstützung seitens des Stadtrats trägt dazu bei, dass sich für die Stadt Burgau Fragen nach Notwendigkeit oder Sinnhaftigkeit dieses Investments im Moment zum Glück nicht stellen. Es gibt gesetzliche Vorgaben, und diese müssen wir als Kommune einhalten. Wir erleben als drittgrößte Stadt in unserem Landkreis, dass im stark ländlich geprägten Raum digitale Barrierefreiheit bisher noch nicht in allen Stadtverwaltungen angekommen ist. Anfangs haben wir uns tatsächlich noch gefragt, ob wir als kleine Kommune überhaupt genug Aufgaben für eine zweite Person in der IT haben – und erleben nun, dass unser Onlineauftritt permanent unsere Aufmerksamkeit erfordert: Die Webseite muss aktuell und gepflegt sein, denn für uns als Stadt Burgau ist sie das Tor zur Welt – und für unsere Bürger*innen ist sie das zentrale Informationsportal.
Meine Vision ist, dass gerade kleinere Kommunen noch stärker Potenzial von digitalen Informationsangeboten für die Information der Bürger*innen nutzen. Hier müssen nicht nur die Bürger*innen umdenken, auch alle Mitarbeiter*innen der öffentlichen Verwaltung müssen noch mehr darauf achten, dass alle ihren Aufgabenbereich betreffenden Informationen aktuell, verständlich und barrierefrei online wie offline zur Verfügung stehen. Alles, was wir als Kommune tun und anbieten, muss sich in Zukunft auch auf unserer kommunalen Homepage wiederfinden.
Martin Brenner

Martin Brenner

Bürgermeister
Stadt Burgau

Martin Brenner, Jahrgang 1970, ist seit Mai 2020 erster Bürgermeister der Stadt Burgau. Seit 2008 gehört er dem Stadtrat an und war von 2014 bis 2020 bereits zweiter Bürgermeister der Stadt Burgau. Als Fraktionsvorsitzender führte er von 2008 bis 2020 die CSU-Stadtratsfraktion an.
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