Selbstbeschreibungsfähigkeit

Gute Interfaces erklären sich von selbst

Der Begriff der Intuitivität gehört im Themenfeld UUX zu den besonders herausfordernden. Die Diskussion, was Intuitivität in Bezug auf Usability, Gebrauchstauglichkeit, Barrierefreiheit, User Experience und Softwareergonomie bedeutet, wird dabei durchaus kontrovers geführt. Zentraler Aspekt ist dabei der Umstand, dass sich ein bis dato unbekanntes System den Benutzer:innen schnell erschließt. Damit lassen sich aus dem Wunsch nach einer hohen Intuitivität eine große Bandbreite an Aspekten der Gebrauchstauglichkeit (Usability) ableiten.

Ein intuitives System muss sich dabei nicht nur erwartungskonform verhalten und leicht zu erlernen sein, es muss vor allem auch in der Lage sein, sich selbst zu beschreiben. Diese Forderung nach Selbstbeschreibungsfähigkeit bedeutet, dass eine Fachanwendung alle Informationen enthält, die für ihre Bedienung erforderlich sind. Kann eine Fachanwendung den Benutzer:innen die konkrete Funktionsweise vollständig erklären, erschließt sich diese von selbst. Die Fachanwendung ist damit eine logische Erweiterung und Fortführung der bisher von Benutzer:innen gesammelten Erlebnissen und Erfahrungen in der analogen und digitalen Welt.

Die Selbstbeschreibungsfähigkeit gehört neben Erwartungskonformität, Lernförderlichkeit und Steuerbarkeit daher zu den wichtigsten der sogenannten Dialogprinzipien. Die Selbstbeschreibungsfähigkeit ist dabei weder eine isolierte Eigenschaft der Fachanwendung noch eine Eigenschaft der Benutzer:innen. Die Selbstbeschreibungsfähigkeit beschreibt stattdessen eine wichtige Eigenschaft einzelner Dialoge zwischen Menschen und Fachanwendungen im Speziellen – beziehungsweise eine Eigenschaft der Interaktion zwischen Menschen und Computern im Allgemeinen. Im Rahmen einer selbstbeschreibungsfähigen Interaktion passt das mentale Modell der Benutzer:innen zum Modell der Fachanwendung.

Schematische Darstellung einer Uhr

Das Softwaresystem muss den Beschäftigten Angaben über die jeweiligen Dialogabläufe machen.

Anhang Nummer 6, 6.5 Abs. 3 ArbStättV

Selbstbeschreibungsfähigkeit

So gelingt die Praxis

Eine Person präsentiert am Flipchart

Ein Tisch mit meheren Papier-Prototypen

In der Praxis lässt sich die Selbstbeschreibungsfähigkeit der in kommunalen Behörden, Landesbehörden und Bundesbehörden verwendeten Software am Besten im Rahmen der Einarbeitung analysieren. Wird im Rahmen eines UUX Gutachtens ein Usability Test mit Einsteiger:innen durchgeführt, lassen sich im Rahmen der Analysen Erkenntnisse zu den Lernprozessen gewinnen. Dieser Test erhebt dabei die Gebrauchstauglichkeit (Usability) anhand der Kriterien Effektivität, Effizienz und Zufriedenstellung. Anhand dieser drei Aspekte lassen sich Probleme in Bezug auf die Selbstbeschreibungsfähigkeit differenziert analysieren.

Gelingt unerfahrenen Benutzer:innen die Lösung von bestimmten Arbeitsaufgaben mit der Fachanwendung nicht, so handelt es sich dabei um ein Problem der Effektivität. Eine genaue Analyse dieser Effektivitätsprobleme führt zu den Komponenten der Fachanwendung mit einer geringen Selbstbeschreibungsfähigkeit: Die Benutzer:innen konnten im Zuge der Interaktion aufgrund von Informationsarchitektur und Seitenlayout nicht erkennen, welche Komponenten der Fachanwendung für die Bewältigung der konkreten Arbeitsaufgabe geeignet sind.

Entstehen seitens der Benutzer:innen hingegen Probleme hinsichtlich der Effizienz, dann benötigen die Benutzer:innen für die Bewältigung der Arbeitsaufgabe zu lange. Einerseits ist eine zu umständliche Lösung ein Indiz für unzureichende Selbstbeschreibungsfähigkeit; der einfachere Weg erschließt sich nicht von selbst. Andererseits führt auch das zeitintensive Ausprobieren falscher Lösungswege zu schlechter Effizienz - und ist ebenfalls ein Indiz für eine geringe Selbstbeschreibungsfähigkeit: Der für die Lösung der Aufgabe am besten geeignete Pfad erschließt sich nicht von selbst. Somit stellen UUX Gutachten für Behörden ein gutes Instrument dar, um die Selbstbeschreibungsfähigkeit der Fachanwendungen zu verbessern.

Selbstbeschreibungsfähigkeit ist keine Eigenschaft der Fachanwendungen oder der Benutzer:innen; sie ist ein zentraler Aspekt der Interaktion zwischen Menschen und Computern.

Prof. Dr. Simon Nestler
Inhaber

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